BAKERY JATTA

Im Januar 2016 überschlugen sich Zeitungsmeldungen mit Artikeln zu einem Geflüchteten, dem eine große Bundesligakarriere

zugetraut wird. Nach einem Probetraining verpflichtete der Hamburger Sportverein Bakery Jatta und stattete ihn mit einem langfristigen Vertrag aus. Einen 17-jährigen Geflüchteten, der ein halbes Jahr vorher, nach langer Flucht, in Deutschland angekommen war. Über 6000 km lang war der Weg von dem Regime in Gambia nach Bremen. Bakery Jatta wuchs ohne Eltern in seinem Heimatland auf und war auf seinem langen Weg durch die Wüste und über das Mittelmeer nach Italien alleine. In Bremen wurde schnell das Talent erkannt, obwohl Bakery vorher noch nie in einem Fußballverein gespielt hatte. Werder Bremen war begeistert und bot ihm einen Vorvertrag an. Weil aber nur ein Festvertrag eine Ausnahmegenehmigung gesichert hätte, lehnte er den Vertrag ab und unterschrieb stattdessen einen Dreijahresvertrag beim HSV.
 

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Im August 2019 sorgte eine vermeintliche Investigativ-Recherche der Sport Bild, rund um die Personalie Bakery Jatta, für Aufsehen. Es kursiert seitdem die Behauptung, dass es sich bei Bakery Jatta eigentlich um den drei Jahre älteren, ebenfalls (ehemals) gambischen Fußballer, Bakary Daffeh handelt. Aufgrund dieser Vermutungen kam es zu Diskussionen, die eine Reihe rassistischer Ressentiments schürten und die andauernde Geflüchtetendebatte abermals, auch politisch, befeuerten. Die Fußballclubs VfL Bochum, 1. FC Nürnberg und Karlsruher SC, welche sich einer gesellschaftlichen Verantwortung verschrieben haben, legten sogar Einspruch beim DFB gegen ihre jeweiligen Niederlagen gegen den HSV ein.Das Bezirksamt Hamburg-Mitte stellte am 2. September 2019 die Ermittlungen, auf Grund fehlender Beweise gegen Bakery Jatta, ein. Im Januar 2020 wurde erneut ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, dieses mal von der Staatsanwaltschaft Hamburg. Im Zuge dieses Ermittlungsverfahren wurde eine Hausdurchsuchung und ein zweites Bewegungsgutachten in Auftrag gegeben, um die Identität Jattas eindeutig zu klären. Trotz der aktuellen Rechtsprechungen scheint die teils rassistisch geführte Kontroverse um Jattas Identität nicht beendet, denn Rassismus endet nicht mit einem Gerichtsentscheid.Bakery Jatta hat während dieser Debatte eine Vielzahl an Solidaritätsbekundungen aus den Stadien, Fankurven und der Politik erhalten und dankt insbesondere seiner HSV-Familie für den starken Rückhalt.