FALKO GÖTZ

Es ist der 2. November 1983. Der DDR Meister BFC Dynamo ist zum Rückspiel im UEFA-Cup der Landesmeister zu Gast in Belgrad, der     Hauptstadt von Jugoslawien. Wie immer ist die Mannschaft mit der Maschine von Erich Mielke, dem Präsidenten des BFC und Minister für Staatssicherheit, angereist. Begleitet werden sie von einem Dutzend Stasi-Mitarbeitern. Doch Falko Götz (damals 21 Jahre), zu dieser Zeit DDR-Juniorennationalspieler, und Dirk Schlegel sind nicht zum Fußballspielen nach Belgrad gereist. Sie wollen ihre Chance nutzen, um nach Westdeutschland zu flüchten. Nachdem ein erster Fluchtversuch im September in Luxemburg noch gescheitert war, versuchen sie es diesmal in Belgrad erneut. Am Vormittag fährt die Mannschaft in die Innenstadt zum Shoppen. Götz und Schlegel steuern einen Plattenladen an, verlassen das Kaufhaus unbemerkt durch einen Seiteneingang, winken sich ein Taxi heran und lassen sich schnell zur Botschaft der Bundesrepublik Deutschland bringen. Das alles dauert nur wenige Minuten.

In der Botschaft bitten sie um Asyl und erhalten in Zagreb neue Pässe mit falschen Namen. Sie nehmen auf eigenes Risiko den Nachtzug nach München, da ihnen das Angebot, in zehn Tagen per Diplomatentransport in die BRD gebracht zu werden, zu lange dauert. Von München kommen sie ins Aufnahmelager nach Gießen. Hier organisieren sie den Kontakt zu Jörg Berger, welcher 1979 selber über Jugoslawien geflüchtet war, der ihnen aus 11 Angeboten den Kontakt zu Bayer Leverkusen vermittelt. Beide erhalten einen 2-Jahresvertrag. Am 3. November 1984 bestreitet Falko Götz, nach einem Jahr Sperre, sein erstes Bundesligaspiel gegen Arminia Bielefeld. Das ist der Startschuss einer großen Karriere: 1988 gewinnt er mit Bayer Leverkusen den UEFA-Pokal, wird mit dem 1. FC Köln Vizemeister und gewinnt 1993 und 1994 mit Galatasary Istanbul die türkische Meisterschaft. Als Trainer arbeitete er bei Hertha BSC, TSV 1860 München und Erzgebirge Aue. Selbst in seinen ersten Jahren in der Bundesrepublik Deutschland hatte die Stasi noch Agenten angesetzt, die ihn bespitzelten.

„Sprung in die Freiheit":

Die Flucht des DDR-Grenzpolizisten Conrad Schumann, 15. August 1961